Verschwundene Pfarregister: Ratschläge und Suchstrategien?

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Andy
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Verschwundene Pfarregister: Ratschläge und Suchstrategien?

Beitrag von Andy » Mi 21. Okt 2026, 21:51

Hallo zusammen,

ich weiß nicht, ob dies der richtige Bereich ist, aber ich möchte mich gerne bezüglich meiner genealogischen Nachforschungen mit euch austauschen.

Leider stehe ich vor einer klassischen „Mauer“: Alle Pfarregister vor 1830 sind verschwunden, und derzeit weiß niemand, wo sie geblieben sind. Insbesondere spreche ich vom Tessin, aber das Thema ist allgemein.

Durch historische Recherchen in lokaler Literatur und Stammbäumen des Dorfes konnte ich den Zeitpunkt des Verschwindens auf den Zeitraum zwischen 1930 und 1942 eingrenzen. In diesen Jahren verstarb ein Pfarrer, der sehr aktiv bei der Renovierung der Kirche war, plötzlich... und genau in diesem Zeitraum verliert sich die Spur der ältesten Bände.

Einerseits habe ich die Befürchtung, dass vieles von diesem Material für immer zerstört wurde oder verloren gegangen ist. Andererseits weiß ich aber auch, dass die Genealogie voll von Zufallsfunden ist: Bände, die nach Jahrzehnten auf Flohmärkten, in Antikmärkten oder vergessen auf alten Dachböden und in Kellern wieder aufgetaucht sind.

Ich frage mich nun:

Ist jemandem von euch schon einmal etwas Ähnliches passiert? Habt ihr solche zufälligen Funde schon einmal erlebt oder mitbekommen?

Welche der folgenden Strategien empfehlt ihr mir?

Diözesanarchiv: Macht es Sinn, das Historische Diözesanarchiv Lugano (per Brief/E-Mail oder persönlich) zu kontaktieren, um zu prüfen, ob die Bände während der Renovierungsarbeiten zur Aufbewahrung eingezogen wurden?

Kontaktaufnahme mit alten Familien: Lohnt es sich, Höflichkeitsbriefe an die Nachkommen alter Ortssippen oder an das örtliche Bürgergemeinde zu schreiben? Hat jemand von euch schon einmal Pfarregister oder private Abschriften in Familienarchiven entdeckt?

Aufruf in der Presse: Haltet ihr es für sinnvoll, einen Artikel oder Leserbrief in Tageszeitungen oder in regionalen Mitteilungsblättern zu veröffentlichen, um einen Aufruf an Ortsansässige, Sammler oder Flohmarktbesucher zu starten?

Über jeden Rat, Erfahrungsbericht oder Tipp für das weitere Vorgehen wäre ich sehr dankbar!

Vielen Dank für eure Hilfe,
Zuletzt geändert von Andy am Do 22. Okt 2026, 00:40, insgesamt 2-mal geändert.



Peter.D
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Re: Verschwundene Pfarregister: Ratschläge und Suchstrategien?

Beitrag von Peter.D » Do 22. Okt 2026, 17:18

Hallo Andy

Kommt mir sehr bekannt vor. Die älteren katholischen Kirchenbücher von Ettingen BL wurden anlässlich einer Renovation der Kirche bzw. deren Archiv vor vielen Jahren von einer Privatperson "sichergestellt" und später dem Dorfmuseum übergeben, wo sie heute noch ruhen und teilweise sogar ausgestellt sind. Dem StABL (wie auch dem Bistum Basel) ist das seit Anfang 2023 bekannt, im Katalog steht aber immer noch der falsche Eintrag, dass die Zivilstandsereignisse von Ettingen bis 1802 in den Kirchenbüchern von Therwil eingetragen wurden. Tatsächlich führte Ettingen jedoch bereits ab 1700 eigene Kirchenbücher!

In welcher Tessiner Pfarrei suchst du und für welche Periode? Vielleicht gibt es dort auch ein Ortsmuseum oder ein Archiv des Patriziats.

Eine Anfrage beim bischöflichen Archiv in Lugano solltest du aber auf jeden Fall machen.

Peter



Andy
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Re: Verschwundene Pfarregister: Ratschläge und Suchstrategien?

Beitrag von Andy » Do 22. Okt 2026, 23:03

Ich untersuche derzeit Bosco, das bis 1783 eine gemeinsame Gemeinde mit Cademario bildete. In diesem Dorf sind die Register „verschwunden“. Bei einer Erfassung der Pfarreien im Jahr 1929 wurden sie noch erwähnt; bei einer weiteren Erhebung im Jahr 1939 fehlten sie bereits. Sie beginnen eigentlich im Jahr 1650, doch die Exemplare, die ich einsehen kann, setzen erst 1811 ein.
Ich bin überzeugt, dass sie in Privatbesitz gelangt sind – mit etwas Glück könnten sie noch auf irgendeinem Dachboden liegen. Aber wie soll ich vorgehen? Einen Brief an alle Bürger der Patriziatsgemeinde schreiben? Einen Zeitungsartikel veröffentlichen?
Was meine mütterliche Linie betrifft, sieht es noch schlechter aus: Die Unterlagen beginnen erst 1870...
Das Diözesanarchiv teilte mir mit, es habe einen Brand gegeben – das ist jedoch ausgeschlossen. Ich habe das Archiv kürzlich besucht und dort viele Rechnungsbücher aus dem Jahr 1601 vorgefunden.



Peter.D
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Re: Verschwundene Pfarregister: Ratschläge und Suchstrategien?

Beitrag von Peter.D » Fr 23. Okt 2026, 17:50

Hallo Andy

Frag doch mal bei der Verwaltung des Patriziats, ob sie dir nicht einen Kenner der lokalen Geschichte in Bosco vermitteln können. Das war auch im Fall von Ettingen der Schlüssel: nachdem 2022 der Fehler im Kirchenbuchverzeichnis offensichtlich geworden war, hatte die Staatsarchivarin zunächst den Pfarrer nach dem Verbleib der fehlenden Bücher angefragt. Der wusste aber nichts davon - offensichtlich war er nie im benachbarten Ortsmuseum. Die Sekretärin der Bürgergemeinde hat mir schliesslich den entscheidenden Kontakt vermittelt.

Interessant ist auch der Hinweis auf der oben verlinkten Webseite zum Progetto Archivi patriziali.

In der Pfarrei Bioggio-Bosco hast du wohl schon angefragt?

Peter



Andy
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Re: Verschwundene Pfarregister: Ratschläge und Suchstrategien?

Beitrag von Andy » Fr 23. Okt 2026, 23:48

Danke, Peter; deine Ratschläge und Erfahrungen liefern interessante Anhaltspunkte für die Suche. Das Problem ist hier der lange Zeitraum, in dem sie verschollen sind. Es sind 90 Jahre vergangen, und die einzige Hoffnung, sie wiederzufinden, besteht darin, dass sie während der Restaurierungsarbeiten an der Kirche „in Sicherheit“ gebracht wurden und seither in irgendeinem Privathaushalt liegen. Es ist allerdings schwierig, die damaligen Verantwortlichen der Kirchengemeinde ausfindig zu machen.
Ich neige dazu, einen breit angelegten Suchaufruf an die Bevölkerung zu richten – etwa durch Flugblätter oder Artikel in Lokalzeitungen –, bin aber skeptisch, was den Erfolg betrifft.



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