Beck von Sumiswald BE

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rauberj
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Beck von Sumiswald BE

Beitrag von rauberj » Di 25. Sep 2018, 20:58

In Sumiswald, Buch 8 - Taufrodel uneheliche 1787-1800 p. 256 lese ich folgendes:

"1797 6. Heumonat getauft, am 29. Brachmonat zur Welt geborenes uneheliches Knäblein Christian / Vater: Ulrich Beck, von hier, als angeklagter Vater, welchem auch das Kind laut Schreiben d 27 Nov 1797 Ober Chorgerichtlich als unehelich mit allen gesetztlichen Folgen zugesprochen worden. / Mutter: Anna Barbara Eggimann, Lienhards Tochter zu Gruben von hier."

Die Linie der Mutter zurück zu verfolgen war relativ einfach, da ja deren Vater genannt wird - das sieht bei Ulrich Beck, dem Kindsvater, leider anders aus! Ich würde mir erhoffen, dass eventuell im Chorgerichtsmanual von Sumiswald ein Hinweis auf diesen Fall zu finden wäre - hat jemand Zugriff auf diese Informationen? - Ich würde gerne bei der Beck-Linie noch etwas weiter kommen... Vielen Dank!



Peter.D
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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von Peter.D » Mi 3. Okt 2018, 17:15

Hallo Jürgen

Das Ober-Chorgericht ist das Obere Ehegericht in Bern. Für die Entscheide in Vaterschaftssachen war immer das Obere Ehegericht und nicht das Chorgericht in der Kirchgemeinde zuständig. Allerdings war das Chorgericht an der Untersuchung beteiligt, so dass zu deinem Fall Akten beider Gerichte vorhanden sein sollten.

Siehe auch hier.

Peter



rauberj
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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von rauberj » Mi 3. Okt 2018, 19:19

Lieber Peter
vielen Dank für Deinen Hinweis! Inzwischen konnte ich einen Blick in die Chorgerichtsmanuale von Sumiswald werfen und fand tatsächlich zwei Sitzungen des lokalen Chorgerichts, bevor die Sache dann schriftlich ans Obere Chorgericht in Bern übermittelt wurde. Spannende Lektüre! Und das Urteil kam dann tatsächlich aus Bern... Kleine Kostprobe gefällig?

"1797, Sonnt. den 19. Hornung. Präsent: Hr Statthalter Reist, Chorrichter Marti und Staliter zur Maur
Erschien Anna Barbara Eggimann, Lienhards des Bauern Tochter zu Gruben von hier, zeigte an, dass sie schwanger sey – von Ulrich Beck, genannt Mäüsler von hier – sie klagte, dieser Ulli Beck, der zu Gruben bei ihrem Vater seit 5 Jahren bis letzte Woche als Knecht gedient, sei ihr immer nachgezogen, obschon sie nichts mit ihm habe zu thun wollen, er habe sich bei ihr eingeschlichen, und sie endlich zu verführen gewusst, dass sie jetzt von ihm schwanger sey.
Der beklagte Ulli Beck gestand sogleich, dass er sie beschlafen und er bekenne, in der Absicht sie zu heyrathen, obschon sie ihn nie die Ehe versprach. Auf Befragen, ob sie ihn wolle, und ob sie ihm die Ehe versprochen, sagte sie, er habe ihr nie kein Wort von der Ehe geredt und sie ihm also nichts versprochen, und sie könne und wolle ihn nicht heyrathen, indem er sie so schendlich verführt und sie ihn nie geliebet. "

Ich habe zwar den erhofften Hinweis auf den Vater von Ulli Beck nicht gefunden, aber ich glaube, hier komme ich nicht mehr weiter...

Lieber Gruss
Jürgen



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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von Peter.D » Do 4. Okt 2018, 16:06

Hallo Jürgen

Hast du das Original-Protokoll des Ehegerichts in Bern auch eingesehen? Dort müsste eigentlich der Heimatort des Vaters auch vermerkt sein, zumal ihm das Kind nach dem damaligen Berner Recht zugeteilt wurde (später haben dann die meisten Kantone vom Paternitäts- auf das Maternitätsprinzip gewechselt; in Basel galt dagegen vor und nach der Helvetik immer das Maternitätsprinzip - wie auch im ZGB ab 1912). Zudem wurde in der Regel verfügt, dass das Urteil an das Heimat-Chorgericht des Verurteilten geschickt wird.

Peter



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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von rauberj » Do 4. Okt 2018, 16:36

Danke, Peter

Ich denke, das kann ich mir sparen, zumal der Heimatort Sumiswald klar ist.
Am 27. November 1797 kam folgendes Urteil vom Ober-Chorgericht in Bern:

"Dass das von der Anna Barbara Eggimann, Lienhards Tochter zu Gruben am 29 Jun zur Welt geborene und am 6. Jul Christen getaufte Knäblein, dem Ulrich Beck von hier mit allen gesetzlichen Folgen als unehelich zugesprochen sey."

Interessant zu wissen wäre nun, wo das Kind seine Jugendzeit verbracht hat. Bisher habe ich keine Ehe gefunden, die ich dem Kindsvater Ulrich Beck zuordnen könnte, das Kind wurde nicht in Sumiswald konfirmiert, es fehlt im Kommunikantenrodel. Klar ist nur, dass dieser Christian später Schlosser in Langnau war und 1821 Magdalena Herrmann von Auswil heiratete. Sie hatten 7 Kinder, nur die ersten zwei wurden getauft - die Familie wanderte dann ca. 1834 als Täufer nach Amerika aus, wo Christian bei den Mennoniten "Karriere" machte.

Nochmals danke, lieber Peter!
Gruss
Jürgen



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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von Peter.D » Do 4. Okt 2018, 16:49

Wenn der Heimatort Sumiswald bekannt ist, müssten aber Vater und zuerkannter Sohn im ersten Bürgerrodel (ca. 1820ff) dieser Gemeinde enthalten sein.
Ist dieser Band beim zuständigen regionalen Zivilstandsamt? Konntest du da schon mal reinschauen? In den alten Bürgerrodeln sind oft - aber natürlich nicht immer - auch Wohnorte oder bei Kindern Verdingorte vermerkt. Wenn das nicht der Fall ist, wäre noch zu prüfen, ob es im Archiv von Sumiswald noch Akten aus der fraglichen Zeit gibt.

Peter



Walter
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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von Walter » Do 4. Okt 2018, 19:09

rauberj hat geschrieben:
Do 4. Okt 2018, 16:36
... Bisher habe ich keine Ehe gefunden, die ich dem Kindsvater Ulrich Beck zuordnen könnte
Hast du die Ehe von 1801 (Ulrich Beck & Elisabeth Graf) schon gesehen (Sumiwald Eherodel 28, Seite 54.
Diese Ehe wurde laut dem Eheeintrag am 10.07.1801 zu Staufberg (bei Lenzburg?) geschlossen.
Die nächste Ehe eines Ulrich Beck war laut Eherodel erst wieder am 21.02.1811.


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rauberj
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Re: Beck von Sumiswald BE

Beitrag von rauberj » Do 4. Okt 2018, 19:14

Danke, Walter
ja, dieser Ulrich Beck (1774-1837 - auch das würde passen) diente zu Liebegg und führte seine Braut zum schönen Kirchlein auf dem Staufberg (über meinem Heimatort Lenzburg ;) , er hatte auch mindestens zwei Kinder, einen Christian *1802 und eine Hans Ulrich *1806 - das würde schon passen, aber beweisen kann ich es (noch) nicht. Ich werde wohl den Tipp von Peter beherzigen und versuchen, einen Blick ins Familienregister zu werfen...
Gruss
Jürgen



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