Bauernzeichen / Handgemale / Hauszeichen / Holzzeichen

Begriffsbestimmungen - Definitions
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Bochtella
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Bauernzeichen / Handgemale / Hauszeichen / Holzzeichen

Post by Bochtella » Wed 22. Apr 2015, 13:44

Grüezi Lesende,

Bauernzeichen, Handgemale, Hauszeichen und Holzzeichen sind Zeichen von Einzelpersonen, Familien oder Körperschaften (Gemeinden, Genossenschaften usw.) zum Kennzeichnen von Eigentum, wie Alp-und Wasserrechtshölzer (Tesslen, Beilen, Beiglen, Beigla), Behälter, Gebäude, Geräte, Grundstücke (Grenzmarkierungen), Lederzeug, Möbel, Vieh, Werkzeuge usw.
Fallweise wurden Zeichen von Einzelpersonen von allen ihren Nachkommen verwendet, wie dies auch für Wappen belegt ist .

Solche Zeichen wurden auch von nicht schreibkundigen Personen als Willenserklärung an Stelle von Unterschriften auf Urkunden (Abrechnungen, Heiratsverträge, Testamente usw.) gesetzt.

Körperschaften haben Zeichen-Verzeichnisse angelegt.

Oftmals wurden solche Zeichen auch als Figuren in Wappenschilder und Siegel übernommen.

Aufgrund der Verwendungszwecke können solche Zeichen sehr alt sein.
Sie treten bereits in der schriftlosen Zeit auf, ohne dass allerdings deren Bedeutung und Verwendung mit Sicherheit bekannt ist.
Die meisten der alten Zeichen sind aus Strichelementen und Punkten zusammengesetzt, da sie mittels Beilen, Krazern, Meisseln und Messer angebracht wurden.
Die ältesten Zeichen hatten bezüglich Form nichts mit Buchstaben oder Zahlen zu tun, obwohl sie fallweise eine Ähnlichkeit aufweisen und teilweise auch darnach benannt wurden.
Gleiche Zeichen dürften in verschiedenen Zeitepochen und geographischen Räumen unterschiedliche Bedeutungen und Verwendungszwecke gehabt haben.
Ob die Stifter solcher Zeichen bereits bekannte Zeichen übernommen oder eigene geschaffen haben und sie die Bedeutung oder Verwendung übernommener Zeichen gekannt haben wird wohl nur in Einzelfällen zu belegen sein.
Solche Zeichen wurden als Bauernfünf, Bundhaken, Doppelfünf, Doppelkreuz, Giebel, Hahnenfuss, Kelch, Kesselhaken, Stern, Zirkel usw. bezeichnet.

Zur Gestaltung, Systematik, Weiterentwicklung, Verwendung, Vererbung und zu Belegen von Hauszeichen und Holzzeichen bei W. A. Liebeskind, Die Kerenzer Bauernzeichen, in Schweizerisches Archiv für Volkskunde = Archives suisses des traditions populaires, Band 37, 1939-1940.
Die Mitglieder einer Familie unterscheiden sich voneinander dadurch, dass sie dem gemeinsamen Grundzeichen unterscheidende Beizeichen beischlagen. Die Holzzeichen vererben sich unverändert vom Vater auf den jüngsten Sohn. Die älteren Söhne fügen ein weiteres Beizeichen hinzu. Ehefrauen können ihr ursprüngliches Zeichen nach der Heirat weiterführen.

Zur Gestaltung, Systematik, Weiterentwicklung, Benennung, Verwendung, Vererbung, Weitergab und zu Belegen von Hauszeichen und Holzzeichen bei David Beck, Die Hauszeichen von Triesenberg, in Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 40. 1940..
Hauszeichen wurden mit dem Haus an Söhne oder Schwiegersöhne vererbt oder fallweise bei einem Hauskauf von einer anderen Familie übernommen. Bei mehreren Söhnen wurde das Stammzeichen durch Zugaben erweitert.

Zu Alprechtshölzer oder Beigla bei David Beck, Die Alprechtshölzer oder Beigla der Alpgenossenschaft Grosssteg in der Gemeinde Triesenberg, in Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Bd. 42, 1942..

Zur Gestaltung, Systematik, Weiterentwicklung, Verwendung und zu Belegen von Hausmarken und Holzmarken bei Richard Pittioni, Hausmarken aus dem Gasteiner Tal, in Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Neue Serie, Bd. 6, Wien 1952.
Es gibt verschiedene Übereinstimmungen mit den urnenfelderzeitlichen Marken von der Kelchalpe bei Kitzbühel hin.

Zu Belegen von Hauszeichen bei Kaspar Joos, Untervazer Hauszeichen, in Beilage zum Jahresbericht des Burgenverein Untervaz, Anno Domini 1990.

Zur Entstehung und Verwendung von Hausmarken, Hauszeichen, Handgemalen bei Wikipedia.
Darin Fotos eines Dorfbrunnens mit Hauszeichen in Feldis im Kanton Graubünden in der Schweiz und einer Tafel mit Hausmarken der Fischerhäuser in Vitt auf Rügen in Deutschland.

Zur Verwendung und zu Belegen von Hausmarken, Hauszeichen und Handgemalen bei GenWiki.
Hausmarken von 1709 aus den Gemeinden der Probstei an der Ostsee in Deutschland.

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Re: Bauernzeichen / Handgemale / Hauszeichen / Holzzeichen

Post by Bochtella » Wed 22. Apr 2015, 13:44

Grüezi Lesende,

Zu Hausmarken und Hauszeichen auch in den Threads Wappenkundler im Board? und Hauszeichen und ihre Verwendung in Wappen.

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Re: Bauernzeichen / Handgemale / Hauszeichen / Holzzeichen

Post by Bochtella » Sat 2. May 2015, 14:20

Grüezi Lesende,

Zur Systematik, Weiterentwicklung, Benennung, Verwendung, Vererbung, Weitergabe und zu Belegen von Hausmarken, Hauszeichen und Holzzeichen bei Beat Schmid, Die Hauszeichen und Wassertässeln von Ausserberg, in Blätter aus der Walliser Geschichte, Bd. 16, 1973.
Sehr häufig besitzt eine Person ein Hauszeichen und ein abweichendes Holzzeichen.

Hauszeichen sind mehrheitlich geometrische Zeichen, die oftmals an Runen und Steinmetzzeichen erinnern.

Zur Definition, Entstehung, Gestaltung, Benennung und zu Belegen von Runen bei Wikipedia.

Zu Steinmetzzeichen und Runen im Thread Steinmetzzeichen / Meisterzeichen / Baumeisterzeichen.

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Re: Bauernzeichen / Handgemale / Hauszeichen / Holzzeichen

Post by Bochtella » Fri 27. Jan 2017, 19:29

Grüezi Lesende,

Hans Hagmann, Tesseln = Kerbhölzer als Quelle für Familienforscher, in Mitteilungsblatt der Zentralschweizerischen Gesellschaft für Familienforschung, Nr. 17 / April 2003.

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