Straumann von Waldenburg BL

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Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Was soll dieser Beitrag hier? Das Geschlecht ist doch längst erforscht! Mindestens ältere Genealogen kennen sie, die Reihe Schweizerisches Geschlechterbuch, Herausgeber J.P.Zwicky von Gauen (J.P.Z.). Im Band X., 1955, Seite 560 ff. wurde über die Straumann publiziert.
Bei einem anderen Projekt stiess ich auf das Erbschaftsinventar vom 12.5.1657; verstorben der Hafner Hans Munzinger, von Waldenburg, Witwe Elsbeth Thommen, von Niederdorf, ohne Kinder.
Dieser 'Nebenschauplatz' ist bez. Straumann wichtig und wissen muss man auch, dass die KB von Waldenburg erst ab 1660 vorhanden sind.

Auf der Rückseite eines anderen Inventars, leider undatiert, um den Jahreswechsel 1676/77 verfasst und dort im Band 5 eingebunden, findet sich die Erbteilung der Elsbeth Thommen, Hans Munzingers sel. Witwe, von Waldenburg.
Zusammengefasst: Angenommen, die Ehe mit Hs.M. war kurz, so kann Elsbeth Thommen nicht nach 1640 zur Welt gekommen sein, heiratete nicht erneut, blieb um 20 Jahre Witwe und hatte keine Nachkommen - denn ihr Nachlass ging zu drei Teilen an ihren Bruder Heini Thommen, Müller, von Niederdorf, an ihre Schwester Verena Thommen und an die zweite Schwester Anna Thommen.
Verena Thommen, Hausfrau des Balthasar Straumann, selig, Zoller, von Waldenburg
Anna Thommen, selig, mit Joggi Straumann, selig, vertreten durch deren Kinder, da die Eltern vorverstorben sind.

Fortsetzung folgt.
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Picea abies
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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Fortsetzung
An dieser Stelle ist eine weitere Erbschaft wichtig. Am 7.11.1689 wurde in Hölstein geteilt. Verstorben war Balthasar Straumann, Zoller, von Waldenburg. Es erbten die Witwe Verena Thommen, mit Beistand von Heini Thommen, Müller, von Niederdorf (nicht explizit erwähnt, aber klar ihr Bruder). Die Söhne Straumanns, Hans und Heini waren erwachsen und nur Joggi hatte einen Beistand. Küngold, eine Tochter, hatte ihren Ehemann Hans Jakob Hasler als Beistand, eine Tochter, Anna, ihren Ehemann Simon Heckendorn, und die letzte Tochter Balthasars, Verena, war, offenbar ledig, mit Heinrich Straumann, Lismer, bevögtet. (also 3 Söhne, 3 Töchter a.d. Ehe).
Spätestens jetzt, wenn Leser den oberw. Band X. zur Hand nehmen, werden auch sie stutzig. J.P.Z. nennt als 2. Frau des Balthasar Straumann Verena Thommen, T.d. Lienhard Thommen, von Bubendorf, getauft 31.7.1636, Mutter Elsbeth Räuftlin.
Wo, wie, warum hat sich dies J.P.Z. (verantw. als Schriftleiter) aus den Fingern gesogen? Es gibt kein Originaldokument das auf solche Zusammenhänge weist. Kein Hinweis bez. einer 2. Ehe des Balthasar. Nur in Diegten und später in Hölstein gab es Räuftlin. Rein sprachlich entstand damals nie aus Reufflin (sofern es den FN überhaupt gab) mit eingeschobenem t ein Räuftlin.
Die Kontrolle der Ehen ergibt denn auch, dass Lienhard Thommen am 17.1.1620 eine "J. elsbetha keüflin von ditterten" ehelichte. Bei allen fünf Taufen seiner Kinder hiess die Mutter Käufli, Keüffle, Keüfflenen u.ä. (KB Bubendorf 12.1.1621, 19.2.1626, 10.10.1630, 6.1.1633, 31.7.1636). Stets K, nie R (Schriftvergleich meist a.d. gleichen KB-Seite möglich). War J.P.Z. nicht in der Lage, das KB zu lesen?
Wie die Keufli, gäbe es sie noch, heute verschriftdeutscht heissen würden, muss ich offen lassen.
Vorbehältlich dessen, dass alle in Bubendorf getauften Verena Thommen gesucht werden, wage ich zu behaupten, dass Lienhards Tochter Verena in Bubendorf am 21.2.1660 Georg Keller, von Tenniken (stammte urspr. vom Hof Spittel ob Waldenburg), ehelichte und nie B. Straumann zum Gatten hatte. Dieser war mit einer Tochter a.d. Müllerdynastie Thommen, von Niederdorf, mit Verena Thommen, verheiratet und sie war Mutter von 6 seiner Kinder. Bei J.P.Z. einiges unrichtig und einiges (Kinder) 'unterschlagen' oder willkürlich? falsch eingereiht (z.B. Balthasars Tochter Küngold, s.o., bei J.P.Z. Seite 644 als Tochter eines Jakob Straumann, jüngere Linie.
Die Anfänge Straumann sind zu überdenken und zu korrigieren.
Mit bestem Forschergruss, Werner
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Picea abies
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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Heinrich Straumann, Nr. 2 bei J.P.Z., Sohn des oberw. Balthasar Straumann, ehelichte Chrischona Jenni. Ihre Taufe wäre 1660, bei KB-Beginn, gerade noch erfasst worden, hätte sie im 16. Altersjahr geheiratet, was nicht der Fall war (Ehen ab/mit Konfirmation waren damals möglich und sind gar nicht so selten mit den KB zu belegen). J.P.Z. wollte offenbar bez. Chrischona nicht auf Eltern verzichten!
Am 3.11.1661 liessen Christoffel Jenni, Gerber zu Waldenburg, und Judith Bruckner (bei J.P.Z. Brucker) den Sohn Christoffel taufen. In Ermangelung einer anderen Jenni-Familie und beim Fehlen einer Chrischona-Taufe, wird wohl J.P.Z. dieses Paar, einfach so, als Eltern der Chrischona bestimmt haben! Ein Genealogen-Betrug, der noch zu Geld gemacht wurde.
Ende 1679 oder im beginnenden Januar 1680 war wohl in Waldenburg Esther Thommen verstorben. Zurück blieb der Witwer Abraham Martin, ohne Kinder a.d. Ehe. Das Teilungsprotokoll vom 16.1.1680 nennt aber drei erbende Kinder aus erster Ehe der Esther Thommen mit Daniel Jenni, selig; und zwar 1. Heinrich Jenni, Löwenwirt in Sissach, 2. Esther Jenni, sel. bei Daniel Walter (unüberprüft bisher, ob Waldner richtiger FN ist) erz. Sohn Abraham. 3. Chrischona Jenni, sel., mit Heinrich Straumann erzeugte Söhne Heinrich und Balzer.
Straumann-Vorfahren, Mutterseite, sind demnach Daniel Jenni u. Esther Thommen (J.P.Z.-Angaben schlicht erfunden und immer noch sinnlos abgeschrieben, auch von einer in diesem Forum oft gelobten Site. Und von dort wird's wieder kolportiert, und wieder...., und.....
Ich höre nun den Aufschrei: Man weiss doch, dass Sekundärquellen überprüft werden müssen! Nur hält sich beinahe niemand daran, Laien nicht aus gutem Glauben an das Veröffentlichte und bestandene Genealogen nicht - ev. aus Bequemlichkeit, denn kontrollieren ist Schwerarbeit und für die Katz, wenn sich herausstellt, dass alles richtig war).
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Wolf
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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Wolf »

Picea abies wrote:
Sun 28. Jun 2020, 10:31
..., auch von einer in diesem Forum oft gelobten Site.
"Gelobt" oder "genannt" ? ;)


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Picea abies
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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Beides. Ursprünglich wollte ich dazuschreiben "fehlerstrotzend" (und sackfrech Quellen verschweigend, Copyright missachtend).



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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Zur Vervollständigung noch wenige Details zur im 1. Beitrag aufgeführten Anna Thommen, Miterbin nach Ableben ihrer verwitweten Schwester Elsbeth Munzinger-Thommen (d. Allianznamensform war früher unbek., dient aber heute zu besserer Identifikation). Anna war auch schon verstorben und ihr Ehemann Joggi Straumann ebenfalls (näheres zu ihm fehlt i.d. Dokument; J.P.Z. erwähnt den Zusammenhang nicht). Den dritten Erbteil traten ihre Kinder an. 1. Jacob Straumann, von Bretzwil (offenbar dortiger Stammgründer; sein Vater könnte noch Waldenburger Bürger gewesen sein). 2. Elsbeth Straumann Hausfrau des Ludwig N. (anl. Erbteilung kannte keiner den FN!) von Binzen a.d. Markgrafschaft. (siehe Anfrage im Forum bez. Straumann in Binzen, Baden-Württemberg, resp. die Antwort von apius) viewtopic.php?f=10&t=29410&p=107522&hil ... en#p107522 .

So, dies war's wohl für den Moment. Ziel der Beiträge war, neue Erkenntnisse zu den Straumann bekannt, mindestens zugänglich zu machen und nebenbei ziehe ich noch das Fazit: Welchen Stellenwert haben eigentlich Sekundärquellen? Und was für Gauner gab es (oder gibt es sie noch?) unter Berufsgenealogen (die Liste von J.P.Z.-Böcken könnte ich nur schon für den Band X. leicht erweitern. Man verzeihe, sofern man möchte, meine harte Ausdrucksweise, aber nach 55 Jahren Genealogie, Alter soll zwar weise machen, habe ich einfach keine Geduld mehr mit Chrämpfli-Brüdern).
MfG (bei Fischern heisst es Petri Heil - was wünschen eigentlich Genealogen?) Werner vulgo Picea abies.



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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Bochtella »

Grüezi Lesende,

zur Zuverlässigkeit von Primär- und Sekundärquellen im Thread Umgang mit Sekundärquellen

Bochtella



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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Danke an Bochtella für den Hinweis. Immer wieder spannend einen alten Thread zu lesen. Für erfahrene Forscher ist eigentlich alles klar und für Neueinsteiger, und ich hoffe, es gibt derer viele, mögen solche Beiträge eine Hilfe sein.
Es geht jedoch viel tiefer: Was mich, auch als alten Sack, noch immer schockiert, ist hier die erneute Bestätigung, dass ein Leiter eines hochangesehenen Unternehmens (man beachte den honorigen Mitarbeiterstab den J.P.Z. jeweils aufführt) sich nicht zu schade findet irgendwo im Baselbiet ein Vreneli zu suchen, da am Bürgerort wegen fehlendem KB keines zu finden ist, um es dann, weil's doch so schön passt, zur Straumann-Stammmutter zu erklären. Oder die 'überflüssige' Tochter (hier Küngold Straumann) irgend einem Mann unterzuschieben, wohl wissend, dass man sie als "nicht einreihbar" führen müsste (man hätte sie ja auch ganz unterschlagen können). Oder Balthasar zweimal zu verheiraten, ganz ohne Beleg. Da man nur eine Taufe eines Kindes mit Verena Straumann-Thommen als Mutter finden konnte, müssen die anderen Kinder, die offensichtlich existierten, von einer anderen Frau stammen. So ein Blödsinn!
Wie ich von meinem Arzt erwarte, dass er nicht für mich Krankheiten erfindet, erwarte ich von Berufsgenealogen saubere, ehrliche Arbeit. Missverständnisse, Fehlurteile, einen Bock beim Lesen, verzeiht man auch ihnen, aber fälschen, erfinden .... ?
MfG Werner



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Re: Straumann von Waldenburg BL

Post by Picea abies »

Auch bei Christian Straumann scheint J.P.Z. ein grober Schnitzer unterlaufen zu sein (Nr. 2, Seite 644, jüngere Waldenburger Linie). Er führte 2 Söhne Hans und Jakob als einen Sohn, Hans Jakob, Nachfolge 5, mit der Berufsangabe des einen, weiter!
Am 16.6.1684, Christian dürfte i.d. Jahr verstorben sein, wurde das Erbe inventarisiert. Nebst der Witwe Agnes Götschi (so die korr. Schreibweise, von Diegten, einzige Agnes im Taufbuch Diegten, get. am 5.8.1627) erbten 7 Kinder (bei J.P.Z. nur 6): Heinrich der Lismer, Jakob der Schreiner, Hans der Hafner, alle 3 erwachsen. Christen, Balzer und Martin, minderjährige Söhne mit Beistand. Ferner die Tochter Margreth vertreten durch ihren Ehemann Urs Schäublin.
Nachzugehen wäre noch den Lebensdaten der bei J.P.Z. aufgeführten Catharina. Er setzte zwar ein ? ohne nähere Erklärung vor ihren Namen. Da sie oder ihre Kinder aber i.d. Erbfall fehlen, wird sie nicht in diese Familie gehören.
Zu vermuten ist, dass es sich beim hier fehlenden Hans, dem Hafner, um Nr. 3, Seite 645 bei J.P.Z. handelt. Dieser würde nicht von Nr. 1 sondern von Nr. 2 abstammen, wäre also nicht Sohn sondern Enkel von Jakob Nr. 1. (Sorry, eigentl. müsste die geneigte Leserschaft zum besseren Verständnis das Schw. Geschlechterbuch Band X. zur Hand haben).
Übrigens starb Hans der Hafner wohl 1693, das Erbe wurde am 9.6.1693 geteilt. Erben waren die Witwe Maria Weber und 6 Kinder (2 Mädchen verheiratet, die Knaben noch minderjährig) wie die Fam. bei J.P.Z. korrekt dargestellt ist.
Also auch i.d. Stammfolge der jüng. Linie Straumann bedarf es Kontrollen und Korrekturen.
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