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conditionatim / sub conditione

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 09:12
von MIG
Liebe Mitforscher

In der Spalte "Bemerkungen" eines Taufbuches um 1840 findet sich immer wieder einmal der Begriff "conditionate".
Kann mir jemand die Bedeutung des Begriffs erklären.

Danke Michael

Re: Bedeutung: conditionate

Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 21:13
von Aspis
Ein ähnlicher Begriff "condiciones" begegnete mir schon, der Konditionen (Bedingungen, Vorbehalte) bedeutete. Dies könnte auf eine Nottaufe hindeuten. Ich habe schon Einträge gesehen, da hatte die Hebamme die Nottaufe durchgeführt.

Condizione (italienisch) = Bedingung

Re: Bedeutung: conditionate

Verfasst: So 27. Mai 2012, 09:03
von MIG
Danke Theo

aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Altvorderen konsequent das c vergessen haben.
Zudem gibt es datierte Beispiele
Geburt 26. - Taufe 27. das spricht gegen eine Nottaufe, da anscheinend genügend Zeit war zur Kirche zu gehen.

Gruss
Michael

conditionatim / sub conditione

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 17:00
von Paul
Was bedeutet das Wort "conditionatim" unter dem Namen des Täuflings (Taufbuch Haslen AI, März 1820)?
Mit freundlichen Grüssen
Paul Schürpf, Neueckstrasse 1, 9214 Kradolf

Re: conditionatim

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 17:59
von Peter.D
Hallo Paul, der Begriff 'conditionatim' oder auch 'sub conditione' wurde oft verwendet, wenn der Pfarrer nicht sicher war, ob das Kind bereits vorher getauft worden war oder ob jene Taufe gültig war, weil sie z.B. bei einer anderen Konfession stattgefunden hatte. Eine wissentlich zweite Taufe durfte der Pfarrer wohl in beiden Konfessionen nicht wagen!
In seltenen Fällen wurde der Begriff auch verwendet, wenn Zweifel über die Ehe der Eltern bestand. Die Verhältnisse in AI kenne ich aber überhaupt nicht.

Wieso sind die Taufbücher dieser offensichtlich katholischen Pfarrei deutsch geführt? Ist es eine Abschrift für die Gemeinde?

Peter

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Anmerkung Mod.: Quelle (Taufbuch Haslen AI, März 1820) oben nachgetragen.

Re: conditionatim / sub conditione

Verfasst: Fr 18. Dez 2015, 19:57
von Wolf
Ein Beispiel für einen Taufeintrag mit dem Vermerk "sub conditione" findet sich beim Taufeintrag des Findelkindes Karl Augustin Seelentag.

M.W. wurde diese Einschränkung übrigens auch angebracht, wenn der Pfarrer (bzw. die/der Taufende) sich nicht sicher war, ob der Täufling zum Zeitpunkt der Taufe wirklich noch am Leben war (Verstorbene konnten nicht gültig getauft werden).

Re: conditionatim / sub conditione

Verfasst: Mo 21. Dez 2015, 16:22
von Säntis
Grüezi Lesende,

zur Definition „sub conditione“ und die Anwendung bei der Taufe bei Wikipedia.
• bei einer Früh- bzw. Fehl-Geburt, wenn es fraglich ist, ob der Täufling lebt. Spendeformel z. B. „Si vivis, ego te baptizo in nomine Patris et Filii et Spiritus Sancti“ (Wenn du lebst, so taufe ich dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes)
• bei vermutetem Intentionsmangel des Taufspenders oder Täuflings oder im Falle stark korrumpierter Taufformel bei der „Ersttaufe“. Spendeformel z. B. „Si non baptizatus es, ego te baptizo ...“ (Wenn du nicht getauft bist, taufe ich dich ...)

Zur Definition Konditionaltaufe (baptismus sub conditione) bei Wikipedia.
Die römisch-katholische Kirche und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) kennen die so genannte Konditionaltaufe (baptismus sub conditione). Hier werden Menschen getauft, die sich nicht sicher sind, ob sie bereits gültig getauft wurden. Die Konditionaltaufe wird mit den Worten eingeleitet: Unter der Bedingung, dass du nicht gültig getauft bist, taufe ich dich ... So wird die als streng verboten angesehene Wiedertaufe vermieden.

Zu „Ungetauft verstorbene Kinder in der Frühen Neuzeit“ und zur Taufe „sub conditione“ auf der Homepage des Gabriele Possanner Instituts.

Bochtella

Re: Nottaufe / Gähtaufe

Verfasst: Mi 31. Aug 2022, 14:43
von Säntis
Grüezi Lesende,

Nottaufe / Gähtaufe auf einer Webseite des Deutschen Rechtswörterbuchs.

Gähtaufe auf einer Webseite des Deutschen Wörterbuchs von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.

Nottaufe auf einer Webseite von Wikipedia.

Joh. Siegen, Volkskunde im Pfarrarchiv von Kippel, in Blättern aus der Walliser Geschichte, XII. Band, 4. Jahrgang, 1958.
Seiten 301 und 302: Nottaufe
Digitalisat auf einer Webseite von doc.rero.ch

Bochtella