Wüst in der Schweiz

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DST
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Herkunft der Wüst

Beitrag von DST » Sa 26. Sep 2009, 10:44

Gemäss Familiennamenbuch der Schweiz sind die 'Wüst' vor 1800 an 18 Orten Bürger. Weiss jemand ob dies autochton entstandene Sippen sind oder ob es irgendwo eine gemeinsame Wurzel gibt?

Gemäss einem Mailkontakt bedeutet 'wuost' "durch unterwassersetzen gerodetes und urbar gemachtes Land". Dadurch könnte der Name theoretisch von einem generellen Flurnamen herstammen.

(Ich habe Kontakte zu den Wüst aus Oberriet SG und Umgebung.)



Wolf
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Beitrag von Wolf » Sa 26. Sep 2009, 16:15

Gemäss Ausgabe 1989 sind es 17 Bürgerorte vor 1800:
AG: Birr, Birrhard, Lupfig
LU: Ruswil, Wikon, Willisau Land
SG: Montlingen [neu = Oberriet], Oberriet, Eichenwies [neu = Oberriet]
ZH: Birmensdorf, Greifensee, Kloten, Opfikon, Stadel, Wallisellen, Winkel, Zürich

Die Ausgabe von 1940 nennt weiter (für Wüst und Wüest):
LU: Wolhusen

Das nur zur Ergänzung - die Frage nach dem Zusammenhang kann ich leider nicht beantworten. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass der Name zumindest mehrfach unabhängig voneinander im gesamten deutschen Sprachraum entstanden ist.


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Beitrag von Astacus » Sa 26. Sep 2009, 17:05

In meinem Thread Wüest von Fischingen / Oberwangen Thurgau nennt Thomas gemäss dem Familiennamenbuch der Schweiz, Ausgabe 1940, noch Frauenfeld und Oberwangen Kanton Thurgau als Bürgerorte vor 1800 und ebenso vor 1900.

Gruss Andreas



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Beitrag von Wolf » Sa 26. Sep 2009, 17:45

Original von Astacus
In meinem Thread Wüest von Fischingen / Oberwangen Thurgau nennt Thomas gemäss dem Familiennamenbuch der Schweiz, Ausgabe 1940, noch Frauenfeld und Oberwangen Kanton Thurgau als Bürgerorte vor 1800.
Beim Familiennamenbuch von 1940 muss man bei ähnlichen Schreibweisen aufpassen: da gibt es
- Wüst (tw. auch mit der Schreibweise Wüest) - siehe oben
- Wüest: vor 1800 in Fischingen und Oberwangen - und weitere in LU und ZH


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Beitrag von Thomas » Sa 26. Sep 2009, 17:52

Weiss jemand ob dies autochton entstandene Sippen sind oder ob es irgendwo eine gemeinsame Wurzel gibt?
Das Historisch-Biographische Lexikon der Schweiz (HBLS) nennt zu Wüest/Wüst (Schreibweisen hier gleichgesetzt) Erwähnungen von Glarner, Thurgauer und Zürcher Geschlechter jeweils schon vor 1400, sodass wohl von unabhängigen Namensentstehungen auszugehen. Das Buch “Zürcher Familiennamen“ erklärt die Entstehung des Namens mit dem Aussehen.

Gruss

Thomas


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Wüst in der Schweiz

Beitrag von Stephleuen » Sa 26. Sep 2009, 21:53

Gemäss einem Mailkontakt bedeutet 'wuost' "durch unterwassersetzen gerodetes und urbar gemachtes Land". Dadurch könnte der Name theoretisch von einem generellen Flurnamen herstammen.
Dabei rate ich zur Vorsicht: Klöster veranstalteten sogenate Verwüstungen in dem sie bestehende Güter dem Zerfall überliessen und das Land, Wiesen und Äcker verwildern liessen sprich Klosterverwüstungen. Das war ein perfider Trick um an Land und Acker zu gelangen welches an eine bestimmte Hofstatt und Ehafte gebunden waren und man auf diese Weise davon befreien konnte und für den eigenen Nutzen niessen konnte, sofern das Kloster über die geschlossene Grundherrschaft über das zu verwüstende Grundstück und Liegenschaft besass. Je nach Orden wurde diese Art von Landgewinnung mehr oder weniger ausgeübt. Die Zisterzienser haben sich dieser Praxis so viel wie gar nicht zugeneigt. Wie es mit den Karthäusern im Thurgau der Fall war weiss ich nicht. UNd wie sich die Benediktiner und Franziskaner etc. diesbezüglich genau verhielten weiss ich nicht. Die Methoden wie diese Verwüstungen durchgeführt wurden, waren sicherlich mannigfaltig. Den damaligen Klöstern war der Geldbeutel wenn es um Land ging auch näher wie Gott.

Es wäre nun interessant zu wissen von wo Ihr Mailkontakt seine Informationen zu Wüst/Wüest her hat. Hat der Name etwas mit der Landgewinnung zu tun oder in welcher Art der Boden gewonnen wurde. So finden wir in allemannischen Sprachregionen hinweise wie der Boden bebaut wurde, etwa eine Friesenmatte was aus dem ahd. Wort Frieso =Wässern stammt oder die Läggermatten aus dem ahd. Läggern = Wässerland. Auf die Bodenbeschaffenheit weisen Ausdrücke mit Moos - Riet - Sängi - Lore - Löre - Steinle etc. Für die Art wie ein Stück Boden gewonnen wurde sprechen Ausdrücke wie Ischlag - Bifang - Biferig - Bifichmatte - Hausbifig - Bünten - Rütti - Rüttmatte - Ried - Rod - Schwendi - Brandholz - Sängeli und Sängi etc. Das sind alles AUsdrücke und Beispiele die aus dem allemannischen Sprachraum mehr oder weniger in Deutschland und Österreich wie in der Schweiz anzutreffen sind.
Was mich bei Ihrer Deutung stutzig macht ist die Begriffsvielfälltigkeit - unterwassersetzen - gerodetes Land urbar machen. Durch Waldrodung gewinnt man ja schon urbares Land = fruchtbarer Boden. Durch das unterwassersetzen läuft man Gefahr, dass im Boden eine saure Reaktion entsteht. Nasse Böden wurden um sie fruchtbar zu machen trocken gelegt und aufgebrochen damit der Boden mit Sauerstoff durchlüftet werden konnte.

Gruss

Stephan Leuenberger



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Wüst in der Schweiz

Beitrag von Bongo » Sa 26. Sep 2009, 23:33

In dem Buch Süddeutsche Familiennamen von Prof. Dr. Edmund Nied, 1938 auf der Seite 47
unter dem Kapitel Eigenschafts- und Übernamen
ist eine kurze Andeutung, das der Name Wüst von Wiest stammen könnte (1441 Rottweil, 1464 Riedböhringen) und es sich vielleicht um einen Übernamen handelt. Gerne kann ich die Seite einscannen.

Grüße


Viktor


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Büsingen a. H. Familie: Wabel,Wabl, Waibel, Waybel, Weibel etc.

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Wüst in der Schweiz

Beitrag von Stephleuen » So 27. Sep 2009, 19:18

Name Wüst von Wiest stammen könnte (1441 Rottweil, 1464 Riedböhringen)
'wuost' "durch unterwassersetzen gerodetes und urbar gemachtes Land". Dadurch könnte der Name theoretisch von einem generellen Flurnamen herstammen.
Namensforschung ist eine Wissenschaft für sich. Um sicher zu sein ob das Zitierte zutrifft müsste man Schritt um Schritt zurück recherchieren wie der Familienname Wüst/Wüest bis zur Erstnennung im Forschungsraum geschrieben wurde und wie er sich in diesen Jahrhunderten entwickelt hat. Vielleicht hat das mit den Erklärungen von Prof. Dr. Nied nichts gemein.

Wenn DST seine Vorfahren im Raum St.Gallen - Thurgau - Luzern - Aargau und Zürich vermutet, rate ich die Urkundenlagen in den entsprechenden Kantonen zu konsultieren. Hilfreich dabei sind zB. Postverzeichnisse in den jeweiligen StArchiven, die Schweizerische Rechtsquellenedition, Urkundenverzeichnisse, Idiotikon, Kirchenbücher etc. In vielen Fällen lassen sich so viele Familiennamen bis Mitte des 13. Jahrhunderts zurück verfolgen. Hans Ulrich Hubschmid war ein annerkannter ostschweizer Ethymologe. Seine Literatur ist in der schweizerischen Nationalbibliothek in Bern erhältlich.Ob die Andeutung von Nied auch enet dem Rhein zutrifft würde eine derartige Untersuchung zu Tage bringen.

Einzelne Universitäten in der Schweiz haben Forschungsstellen zur Namenskunde und bieten ihre Hilfe an.


Gruss
Stephan LEuenberger



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george
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Wüst in der Schweiz

Beitrag von george » So 27. Sep 2009, 20:39

Hallo Zusammen

Da ich die Kirchenbücher der Gemeinde Oberriet bestens kenne und auch weiss, dass der Name Wüst, Wüest und Wiest sowohl in Montlingen als auch in Eichenwies und Oberriet selber vorkommt, bin ich mit der Argumentation von Wolf Montlingen, Eichenwies und Holzrhode = Oberriet, nicht sehr glücklich. Wenn man nicht klar unterscheidet, ob der Familienname von Montlingen, Eichewies, Holzrhode oder Oberriet selber stammt, kann man sich als Familienforscher leicht auf Glatteis begeben.
Auf Grund dessen, dass ich in den Kirchenbüchern von Montlingen (Mutterkirche der Gemeinde Oberriet bis 1734 bzw. 1808) den Familiennamen Wiest bis Ende 1600 verschiedentlich angetroffen habe, scheint mir die Anmerkung von Viktor sicher prüfenswert zu sein. Eine Anfrage beim Schweiz. Idiotikon in Zürich könnte in dieser Frage sicher auch weiterhelfen.
Meine Wüst-Vorfahren stammen aus Montlingen.

Gruss
George



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Wüst in der Schweiz

Beitrag von Wolf » So 27. Sep 2009, 21:04

Original von george
..., bin ich mit der Argumentation von Wolf Montlingen, Eichenwies und Holzrhode = Oberriet, nicht sehr glücklich.
HALT - das ist nicht meine Argumentation - im Gegenteil!

Laut CD-Version des Familiennamenbuches gibt es nur noch das Bürgerrecht Oberriet - ich habe das durch die alten Bürgerrechte mit dem Hinweis [neu = Oberriet] ergänzt.

Dazu ist zu sagen, dass die CD-Version zumindest bei den separaten Ortsbürgergemeinden der politischen Gemeinde St.Gallen diese auch fälschlicherweise zu einem einheitlichen St.Galler Bürgerrecht zusammengefasst hat. Möglicherweise trifft das ja auch auf Oberriet zu - dann bitte ich um Bestätigung, dass die alten Ortsbürgerrechte auch hier weiter bestehen.

Ein Bürgerrecht Wüst von Holzrhode ist allerdings auch in der gedruckten Version (1989) nicht erwähnt.


Wolf Seelentag, St.Gallen
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george
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Wüst in der Schweiz

Beitrag von george » So 27. Sep 2009, 21:35

Hallo Wolf

Das "neu" stimmt eben auch nicht, da die Ortsbürgerrechte immer noch eingetragen werden. Ich möchte das auch nicht weiter komentieren, da ich bereits vor einiger Zeit im Forum geschrieben habe, welche Ortsbürgerrechte noch eingetragen werden.
Den Namen Wüst habe ich dadurch nicht mit Holzrhode in Verbindung bringen wollen, da ich selber weiss, dass der Name Wüst dort nicht vorkommt.

Einen schönen Abend
George



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Wüst in der Schweiz

Beitrag von DST » So 4. Okt 2009, 10:12

Besten Dank für alle diese Antworten. Ich hätte nie gedacht, dass diese Frage solch ein Echo hervorrufen würde.

Es ist mir bekannt, dass die Wüest im Montlinger Taufbuch (dieses beginnt 1619) erwähnt sind (typischerweise dort "Wüest" geschrieben). Das Montlinger Taufbuch lässt keine allgemeinen Rückschlüsse zu, ob diese Person in Kriessern, Oberriet, Kobelwald, etc., Montlingen gelebt hatte.

Ich habe die unterschiedlichen Rheintalischen Belehnungen ab 1492 fotografiert (jedoch nur die Vorkommen der Stiger/Stieger). Dort habe ich keine Wüst gefunden (was jedoch nicht heisst, dass sie dort nicht erwähnt sind - sie sind lediglich "zufällig" auf den Seiten, welche ich habe, nicht aufgeführt). Ich werde also nochmals ins Stiftsarchiv pilgern müssen ...

Meine ursprügliche Vermutung war, dass die Wüst evtl. im Tross eines Landvogts (z.B. aus Zürich) eingewandert waren. Meine Vermutung stützte sich auf die Tatsache, dass die frühen Wüst (z.B. 1461 Ammann zu Kriessern) oft wichtige Ämter inne hatten und ich sie nicht als Landbesitzer lokalisieren konnte. (Dagegen spricht, dass 1452 - in der Umgebung Oberriet - die Gebrüder Josef, Hans und Konrad Wüst sich, ihre Frauen und Kinder um 40 Gulden freigekauft hatten.)



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